38. Fachtagung 2026
Absturz im Fokus: Risiken erkennen, Sicherheit stärken
Donnerstag, 9. April 2026, DGB Bildungszentrum Besenbinderhof, Hamburg
Absturzunfälle zählen zu den schwerwiegendsten Arbeitsunfällen und führen nicht selten zu schweren Verletzungen oder enden gar tödlich. Besonders gefährdet sind Tätigkeiten an Laderampen, auf Dächern und Gerüsten – Unfallorte, die im Arbeitsalltag vieler Branchen eine zentrale Rolle spielen. Doch nicht nur bei hoch gelegenen Arbeitsplätzen passieren gravierende Unfälle, schon ein Sturz aus geringer Höhe – beispielsweise von Fahrzeugen, Tritten oder Treppen – kann schwerwiegende Folgen haben. Ein häufig unterschätzter Faktor ist dabei das fehlende Gefahrenbewusstsein der Beschäftigten: Risiken werden oft unterschätzt oder dem Zeitdruck untergeordnet, was die Unfallgefahr zusätzlich erhöht.

Programmablauf
09.30 Anmeldung
Besuch Marktplatz
10.00 Begrüßung: Tanja Chawla (Vorsitzende DGB Hamburg); Senatorin Anna Gallina (Präses der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg)
10.20 Vortrag: Aktuelles zur Absturzsicherheit, mit dem Schwerpunkt Absturz aus großer Höhe, Prof. Dr.-Ing. Marco Einhaus (Leiter des Fachbereichs Bauwesen der DGUV und stellv. Hauptabteilungsleiter Prävention (komm.) der BG BAU). Hintergrund: Absturzunfälle sind häufig mit schweren Verletzungen verbunden und können bereits bei vergleichsweise geringen Fallhöhen tödlich enden. Besonders häufig ereignen sich tödliche Unfälle auf Baustellen, bei Arbeiten auf Dächern oder aus großen Höhen. Immer wieder zeigt sich, dass eine situationsgerechte und aktuelle Gefährdungsbeurteilung sowie geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen für Tätigkeiten in der Höhe unerlässlich sind. In diesem Vortrag werden grundlegende Regelwerke und aktuelle Unfallstatistiken vorgestellt sowie bewährte und neue technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen erläutert.
11.00 Impuls: Drohneneinsatz zur Reduktion von Gefährdungen, inklusive Live-Vorführung, Hermann Spanier (Moselcopter GmbH, Geschäftsführer)
11.15 Vortrag: Absturz von Nutzfahrzeugen – Ursachen und Lösungsansätze, Michael Fischer (BG Verkehr, Verantwortlicher für Präventionsschwerpunkte). Hintergrund: Absturzunfälle beim Transport mit schweren Nutzfahrzeugen zählen bei der BG Verkehr zu den häufigsten Arbeitsunfällen. Grund genug, ihre Ursachen genauer zu analysieren und wirksame Präventionsansätze zu entwickeln. Auch im Sinne der Vision Zero gilt es, solche Unfälle so weit wie möglich zu reduzieren. Doch warum sind die Folgen oft so schwer, obwohl die Absturzhöhe häufig kaum mehr als einen Meter beträgt? Wie kommt es dazu, dass Beschäftigte von Zugmaschinen oder deren Aufbauten stürzen? Diese und weitere Fragen zum Absturzgeschehen an Nutzfahrzeugen sowie mögliche Lösungsansätze zur Vermeidung dieser Unfälle stehen im Mittelpunkt des Beitrags.
12.00 Hinweise zum weiteren Programmablauf, Vorstellung Marktplatz
12.10 Vertiefungsforen zu den Vorträgen des Vormittags oder Besuch Marktplatz
12.30 Mittagspause
13.30 Betriebliche Erfahrungsberichte: Besuch der zwei „Praxis-Stationen“ à 45 Minuten, Teil 1 (Sie haben die Möglichkeit zwei der angebotenen vier Praxisstationen auzuwählen.)
- Station 1: Airbus Operations GmbH (Matthias Schulze, HO Operational Safety Hamburg, leitender Sicherheitsingenieur): Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) – Herausforderungen bei der Flugzeugproduktion. Begleitung: Petra Versemann (Handelskammer Hamburg). Hintergrund: Entlang der Wertschöpfungskette werden verschiedene Herausforderungen der Produktion im Kontext der Absturzgefährdungen visualisiert. Hierzu zählen unter anderem Struktur und Ausrüstungsmontage, Oberflächenschutz, Final Assembly Line, Flugzeuglackierung sowie die Auslieferung. In den einzelnen Teilbereichen der Produktion sind die Voraussetzungen der Schutzmaßnahmen völlig unterschiedlich. Diese werden anschaulich dargestellt.
- Station 2: ASIKOO GmbH (Fabian Struve, Fachkraft für Arbeitssicherheit); Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (Jörg Börner, Aufsichtsperson, Fachberater Absturzprävention): Absturzprävention bei Fliegenden Bauten im Schaustellergewerbe. Hintergrund: Beim Aufbau, Abbau und Betrieb von Fliegenden Bauten – wie bei Riesenrädern und Achterbahnen – kommt es häufig zu schweren oder tödlichen Absturzunfällen. Wie kann das Schaustellergewerbe gemeinsam mit den Fachleuten aus Arbeitsschutz und Prävention auf diese besonderen Herausforderungen reagieren? Dargestellt und diskutiert werden mögliche Ursachen und deren Zusammenhänge. Die Referenten stellen neue betriebliche und behördliche Maßnahmen vor, erörtern die Praxistauglichkeit der Instrumente sowie deren Übertragbarkeit auf andere Branchen.
- Station 3: OTTO DÖRNER GmbH & Co. KG (Ulf Seebrandt, Prokurist; Jan-Phillip Stüven, Referent Projektmanagement): Dachsicherheit bei einem Entsorgungsunternehmen – umgesetzte Maßnahmen und geregelte Abläufe. Begleitung: Magdalena Kaminski (Behörde für Justiz und Verbraucherschutz). Hintergrund: Im Mittelpunkt stehen erfolgreich umgesetzte Maßnahmen zur sicheren Dachbegehung. Anhand eines Vorher-/Nachher-Vergleichs von ausgewählten Dächern wird verdeutlicht, wie diese abhängig von den jeweiligen Dachspezifikationen ausgestaltet sind. Darüber hinaus wird der Ablauf für die Zusammenarbeit mit Fremdfirmen skizziert, die im Rahmen von Wartungs-/Instandhaltungsmaßnahmen die Dächer begehen müssen.
- Station 4: ROPEMEN GmbH & Co. KG (Tom Nickel, Gründer und Geschäftsführer): Sicherung bei hochgelegenen und schwer zugänglichen Arbeitsplätzen. Begleitung: Dr. Joachim Dreyer (VBG). Hintergrund: Im Mittelpunkt stehen die Planung und Durchführung der Sicherung von hochgelegenen oder schwer zugänglichen Arbeitsplätzen. Sehr wesentlich ist dabei das Zusammenspiel mit den Rettungskräften. Die Standardverfahren und Taktiken der Feuerwehren stoßen bei außergewöhnlichen Arbeitsplätzen schnell an ihre Grenzen. Es bedarf daher genauer Absprachen im Vorfeld und Kenntnis der jeweiligen Situationen vor Ort. Der Referent vermittelt Einblick in seine langjährigen Erfahrungen in der Seilzugangstechnik sowie Unterweisung und Ausbildung von Menschen, die in der Höhe arbeiten.
14.30 Betriebliche Erfahrungsberichte: Besuch der „Praxis-Stationen“, Teil 2
15.15 Kaffeepause, Besuch Marktplatz
15.45 Vortrag: Absturzsicherheit – Was kann Behavior-Based Safety (BBS) leisten? Prof. Dr. Christoph Bördlein (Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt, Professor für Psychologie, Leiter des Zertifikatslehrgangs „Spezialist/in für Behavior Based Safety). Hintergrund: Der Vortrag gibt eine fundierte Einführung in Behavior-Based Safety (BBS) als verhaltensorientierten Ansatz der Arbeitssicherheit. Ausgehend von den Grundprinzipien der Verhaltensanalyse (ABC-Modell) wird erläutert, was BBS ist und was nicht. Anhand von Praxisbeispielen wird gezeigt, wie BBS konkret umgesetzt wird und welche Beiträge der Ansatz zur Prävention von Absturzunfällen leisten kann. Dabei werden sowohl Potenziale als auch Grenzen von BBS im Zusammenspiel mit technischen und organisatorischen Maßnahmen reflektiert.
16.30 Abschluss: Hanka Jarisch (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Präventionsleitung)
16.45 Ende der Veranstaltung
Veranstaltungsmoderation: Nico Hohendorf und Christina Müller (BGW)