34. Fachtagung 2022
Gewalt und Aggression – Betrieblicher Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Pflicht

Montag, 27. Juni 2022, Grand Elysée Hotel Hamburg

Opfer von physischer und psychischer Gewalt am Arbeitsplatz können wir alle werden, in nahezu jedem Bereich. Menschen werden belästigt, beleidigt, bedroht oder tätlich angegriffen – aus unterschiedlichen Gründen. Die Zahlen sind alarmierend, wie verschiedene Studien zeigen.
Neben Vorträgen wollen wir uns auf der Fachtagung mit praktischen Beispielen von Unternehmen beschäftigen, die Maßnahmen und innerbetriebliche Konzepte entwickelt haben – als Reaktion auf einen konkreten Anlass sowie vorbeugend, um Bedrohungen und Übergriffe am Arbeitsplatz zu reduzieren oder zu verhindern.

Programmablauf

09.15 Anmeldung
Kaffee, Besuch der Fachausstellung

10.00 Begrüßung
Senatorin Anna Gallina (Präses der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg)
Claudia Drechsel-Schlund (Stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege)

10.30 Vortrag: Ursachen und Grundlagen von Gewalt – Ein Überblick, Prof. em. Dr. Ulrich Wagner (Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Sozialpsychologe). Hintergrund: Gewalt hat viele Gesichter, ihre Ausübung ist immer inakzeptabel. Die Sozialwissenschaften haben gut gesicherte Erkenntnisse darüber, warum und wann es zu Gewalt kommt. Zentral sind dabei Lernprozesse: Menschen verhalten sich aggressiv, weil sie gelernt haben, dass dieses Verhalten zum Erfolg führt. Menschen lernen, welche Aspekte von Aggressivität besonders effektiv wirksam werden, indem sie  aggressive Vorbilder, die mit ihrem Verhalten erfolgreich sind, imitieren. Die Ursachenerforschung von Aggression und Gewalt ist auch deshalb wichtig, weil Präventionsmaßnahmen besonders effektiv sind, wenn sie auf Forschungsergebnissen aufbauen.

11.15 Vortrag: Gewalt und Aggression in der Arbeitswelt: Einblicke in die Branche des Gesundheitswesens, Dr. Mareike Adler, Claudia Vaupel (BGW, Referentinnen Psychologie). Hintergrund: Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen sind besonders gefährdet, Gewalt und Aggression am Arbeitsplatz zu erleben. Die Folgen solcher Ereignisse können für die Betroffenen gravierend sein. Es liegen gesicherte Erkenntnisse zur Verbreitung von Gewalt und auch sexualisierter Gewalt vor, die einen dringenden Bedarf an intensivierter Präventionsarbeit verdeutlichen und den Fokus auch auf das Thema der Nachsorge für Gewaltbetroffene legen. Aus Forschung und Praxis sind inzwischen etliche Schutz- und Risikofaktoren für das Entstehen von Gewalt und Aggression im Betrieb bekannt. Es braucht daher betriebliche Konzepte, die sowohl Gewaltprävention und Regelungen zum Akutfall als auch das Thema Nachsorge von Gewaltereignissen abdecken.

12.00 Vortrag: „Ein Küsschen in Ehren kann niemand verwehren…DOCH!“ − Konzepte und Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung, Dr. Claudia Brandkamp, Artur Helbig (Deutsche Telekom Security GmbH, Bonn). Hintergrund: Die Deutsche Telekom ist mehrfach für ihr Vorgehen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ausgezeichnet worden. Umfassende Konzepte, die seit mehreren Jahren in der Praxis gelebt und stets weiterentwickelt werden, sind Grundlage für diesen Vortrag.

12.30 Mittagspause, Besuch der Fachausstellung

13.30 Betriebliche Erfahrungsberichte: Besuch von zwei „Praxis-Stationen“, Teil 1

  • Station 1: Arabella Hospitality SE / The Westin Hamburg Hotellerie (Nina Kerner, Madeleine Marx): Aggressiver Gästekontakt an der Hotelrezeption – Präventionsansätze. Begleitung: Amt für Arbeitsschutz, Behörde für Justiz und Verbraucherschutz (Reinhild Müller). Hintergrund: Nachdem es in einer Nachtschicht zu einem aggressiven Übergriff auf Beschäftigte an der Rezeption kam, stellte sich die Frage, ob die Maßnahmen im Umgang mit solchen „besonderen“ Situationen ausreichen. Oder bedurfte es neben zusätzlichen Selbstverteidigungskursen weitere Unterstützung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
  • Station 2: Deutsche Telekom Security GmbH (Dr. Claudia Brandkamp, Artur Helbig): 45 Minuten als Bedrohungsmanager/-in − Gemeinsam Gewalttaten erkennen, Risiken entschärfen. Begleitung: DGB Hamburg (Christian Kröncke). Hintergrund: Die Deutsche Telekom ist bereits seit 2014 im Bereich Bedrohungsmanagement aktiv und nimmt damit eine Vorreiterrolle ein. Vorgestellt werden Best Practice-Beispiele sowie konkrete Einblicke in die Tätigkeit: Was macht ein/e Bedrohungsmanager-in? Was sind die Herausforderungen? Welche Dos and Don’ts sind zu beachten?
  • Station 3: Freie und Hansestadt Hamburg, Amt für Migration (Florian Käckenmester, Christian Rose): Vorstellung des Sicherheitskonzepts inklusive baulicher und organisatorischer Maßnahmen. Begleitung: UK Nord (Dr. Ursula Franke). Hintergrund: Im Amt für Migration der Stadt Hamburg wurde ein umfassendes Sicherheitskonzept entwickelt und zu großen Teilen bereits umgesetzt. Es enthält sowohl strukturelle Maßnahmen, wie ein neues Raumkonzept und ein Alarmierungssystem, als auch Maßnahmen zur Kompetenzsteigerung der Beschäftigen.
  • Station 4: Hamburger Hochbahn-Wache (Arndt Malyska): Sicherheitsmaßnahmen gegen Übergriffe Dritter in Verkehrsunternehmen. Begleitung: VBG (Peter Ziems). Hintergrund: Etwa jeder zehnte angezeigte Arbeitsunfall in Verkehrsunternehmen der Branche ÖPNV/Bahnen wird durch Übergriffe Dritter verursacht. Insbesondere das Fahrpersonal, Fahrausweisprüfende und die Sicherheits-/Kundendienste werden im Dienst bedroht oder sogar tätlich angegriffen. Am Beispiel des Sicherheits- und Prüfdienstes der Hamburger Hochbahn-Wache GmbH (Unternehmen der Hamburger Hochbahn AG) soll dargestellt werden, wie vielfältig die Aufgaben des Sicherheits- und Prüfdienstes in einem Verkehrsunternehmen des ÖPNV sind, um einen reibungsfreien und sicheren Betrieb für Beschäftigte sowie Kundinnen und Kunden zu gewährleisten.
  • Station 5: Jugendhilfe e. V. (Amadeus von der Oelsnitz): Mitarbeitende durch Deeskalationstraining im Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen stärken. Begleitung: HAG (Petra Hofrichter). Hintergrund: Die Jugendhilfe e. V. ist ein freier Träger, der wohnungslose und suchtkranke Menschen unterstützt. Er betreibt mehrere ambulante und stationäre Einrichtungen im Hamburger Stadtgebiet und hat sich vor einigen Jahren dafür entschieden, zwei Beschäftigte zu betrieblichen Deeskalationstrainerinnen bzw. -trainer ausbilden zu lassen. Diese führen Deeskalationstrainings durch, mit dem Ziel, möglichst alle Beschäftigten daran teilnehmen zu lassen. Im Rahmen der niedrigschwelligen Arbeit mit suchterkrankten Menschen im Drob Inn kommt es immer wieder zu herausfordernden Situationen, z. B. aggressivem Verhalten und Übergriffen sowohl unter Klientinnen und Klienten als auch gegenüber Beschäftigten. Diese Erfahrungen können im Team Unsicherheit und Angst auslösen.

14.15 Betriebliche Erfahrungsberichte: Besuch von zwei „Praxis-Stationen“, Teil 2

15.00 Kaffeepause, Besuch der Fachausstellung

15.30 Impuls: Aus der Praxis: Interventionstechniken und gewaltpräventive Strategien zur Deeskalation, Michael Jung-Lübke (piag-B, Voerde). Hintergrund: In diesem anschaulichen Impulsvortrag geht es um praxisbezogene Grundsätze der Gewaltprävention und -intervention. Im Mittelpunkt stehen zwei thematische Aspekte: diagnostische statt symptomatische Prävention sowie um physische Intervention: Wahrung der Wertschätzung trotz Grenzüberschreitung. Michael Jung-Lübke ist selbstständiger Fachberater für Deeskalation und Selbstbehauptung sowie Schulungsreferent zur Prävention sexualisierter Gewalt.

16.00 Im Dialog: Bausteine betrieblicher Prävention: Gewalt verhindern, im Notfall handeln.
Moderierte Gesprächsrunde mit Rainer Erb (VBG), Susanne Friederichs (Amt für Arbeitsschutz, Behörde für Justiz und Verbraucherschutz), Dr. Heike Schambortski (BGW, Gesamtbereich Präventionsdienste), Olaf Schwede (DGB). Moderation: Michael Gümbel (Arbeit & Gesundheit).

16.45 Abschluss und Verabschiedung
Jutta Lamers (Leitung Präventionsdienste BGW)

17.00 Ende der Veranstaltung

Veranstaltungsmoderation: Nico Hohendorf und Christina Müller (BGW)

Zur Anmeldung

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